Billinger unter "Angebot an bairischer Literatur"

Im Traunsteiner Tagblatt

Das Angebot an bairischer Literatur erweitert.
6. Mai 2006


In der Stadtbücherei Traunstein gibt es ab sofort ein literarisches »Bairisches Eck«. Ermöglicht hat dies der Verein »Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau« mit einer Spende von rund 50 Büchern bayerischer Schriftsteller. In Anwesenheit von Oberbürgermeister Fritz Stahl übergab der Vorsitzende des Vereins, Rudolf Mörtl, die Bücher an die Stadt Traunstein. Verbunden war die Veranstaltung mit einer humorvollen, aber auch ernsten Lesung des Schriftstellers und »Federfuchsers« Gustl Lex aus einer Bücherauswahl von bairischen Literaten, die den Lesern der Stadtbücherei ab sofort zur Verfügung stehen. Musikalisch untermalt wurde die Lesung von Heidi Holzner an der Harfe.


Der Verein »Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau« setze sich dafür ein, dass die bairische Sprache erhalten bleibt, erklärte der Vorsitzende Rudolf Mörtl. »Die Literatur spielt in der Sprachentwicklung eine maßgebende Rolle, deshalb ist es uns ein Anliegen, dass unsere bairische Literatur gut angesehen ist, unter die Leute kommt und im bairischen Sprachraum neue bairische Literatur entsteht«. Bairische Literatur seien nicht nur die Bücher im »Bavarica-Eck« der Buchhandlung, die auch vom Leser nicht unbedingt als bairisch eingestuft würden. Es gehörten die Autoren dazu, die sich mit Bayern, dem Land, den Leuten, der Geschichte und Sprache befassten und solche, bei denen in der Sprache die bairische Klangfarbe zu spüren sei. Als Beispiele nannte Mörtl Adalbert Stifter, Luise Rinser Carl Orff, Herbert Rosendorfer und Oskar Maria Graf, die weit über Bayern hinaus bekannt seien.

»Viele Autoren sind fast vergessen, wie Josef Hofmiller, Georg Britting, Marie-Luise Fleißer, Richard Billinger, Wilhelm Dieß, Hans Carossa, und selbst von Sigi Sommer hört man nicht mehr viel und seine Bücher gibt es nur noch im Antiquariat«, so Mörtl. An die wolle der Sprachverein bei dieser Gelegenheit erinnern und auch an solche, die trotz ihrer Qualitäten den Sprung in eine breitere Öffentlichkeit nicht geschafft hätten und nur in Traunstein bekannt seien, wie zum Beispiel Maria Großglettner.

Einige Autoren, die der Verein in der Stadtbücherei neu eingestellt hat, kommen aus Traunstein oder Umgebung, wie Robert Hültner aus Inzell, dessen »Walching« genau so gut Inzell heißen könnte. Hans Prähofer hat seine ersten Jahre in Traunstein verbracht und der Mühlgasse ein Denkmal gesetzt. Die Mutter Ludwig Thomas war in Traunstein, Seebruck und Prien Wirtin. Er selbst war hier als Referendar, das »Dürnbuch« in seinen Nachbarsleuten ist unverwechselbar Traunstein. Wilhelm Dieß war einmal bei der Staatsanwaltschaft Traunstein. Dagegen hat Luise Rinser Traunstein in keiner guten Erinnerung, denn sie war während der NS-Zeit dort im Gefängnis. Maria Großglettner hat in Traunstein gelebt und schildert unter anderem die Verhältnisse der kleinen Leute. »Auch Traunstein kommt in den Büchern vor, das ist ein Grund, sich diese Autoren einmal anzuschauen«, meinte Mörtl.

Der »Verein Bairische Sprache und Mundarten Chiemgau« wolle die bairische Literatur aufwerten, so Mörtl. Dazu habe er das bairische Element in der Bücherei mit ungefähr 50 Büchern verstärkt. Neben den genannten Autoren seien auch Bücher zur bairischen Sprache und Geschichte darunter. »Dabei muss ich sagen, dass schon eine ansehnliche Reihe von Büchern da war«, lobte er die Stadtbücherei. Alle bairischen Bücher sollen in einem eigenen Eck zusammengestellt werden. Er hob hervor, dass Annette Hagenau, die Leiterin der Bücherei, diese Idee sofort unterstützt habe.

Der Verein hofft nun, dass viele Besucher den Weg zum »Bairischen Eck« finden. Darunter gibt es Krimis von Robert Hültner, Jugendbücher von Harald Grill und das Gefängnistagebuch der Luise Rinser. Ebenso gehören dazu Carl Orff mit seinem Bairischen Welttheater; »Und keiner weint mir nach« von Sigi Sommer, Carl Amery mit seinem Buch »Leb wohl geliebtes Volk der Bayern« und Herbert Rosendorfer, der aus dem bewegten Leben der Kellnerin Anni erzählt. Bayernklassiker wie Ludwig Thoma, Oscar-Maria Graf usw. gehören natürlich dazu. Einige Bücher wird der Verein noch nachliefern. »Dann schauen wir einmal, wie die Literatur angenommen wird und legen vielleicht noch einmal einen Schwung nach«.



Bei der Frage, welches Präsent wähle ich für verschiedene Ablässe, falle uns in der Buchhandlung die Abteilung »Bavarica« auf, sagte Oberbürgermeister Fritz Stahl. Das Angebot sei keineswegs karg: Bildbände, Reisebücher und Humoristisches, aber auch Texte, die in der Mundart verfasst, aber nicht leicht lesbar seien. »Was stellen sich die meisten vor, wenn es um Bairisches geht?«, fragte Stahl. »Die Hauptschule in Traunstein trägt den Namen des bayerischen Schulreformers Franz von Kohlbrenner. Er hat sich zum Thema 'Der Chiemgau und seine Menschen' wiederholt geäußert«, so Stahl. Bereits 1782 habe er geschrieben, wie vorzüglich das Bairische Gefühlvolles eindringlich darstellen, Juristisches plakativ ausdrücken und gleichzeitig Satirisches ein wenig abmildern könne.